Update

Einige aufregende Wochen liegen hinter mir.

Seit meinem letzten weit zurückliegenden Blogeintrag habe ich diverse Dinge erlebt, wie zum Beispiel einen weiteren Urlaub (eine Woche Vietnam), woraus der ein oder andere Besuch bei der deutschen Botschaft und dem Außenministerium wegen auftretender Visaprobleme folgte (die allerdings glücklicherweise auch schon wieder geklärt sind), die Feier der deutschen Botschaft zur fünfzigjährigen diplomatischen Beziehung zwischen Deutschland und Kambodscha, die erste Woche auf der Provinz in einem Suboffice von Mlup Baitong in Trapaing Kraleoung, mein erstes Fieber und ersten Arztbesuch, einige gute Wochenenden gefüllt mit Brunches und Shakes auf unserem traumhaften Balkon mit unseren wunderbaren Nachbarn (ebenfalls deutsche Freiwillge, allerdings von Via e.V.) und endlich endlich endlich auch die ersten Wochen in Chambok. 

 

Chambok ist eine Community, mit der meine Organisation Mlup Baitong gemeinsam ein Ökotourismusprojekt entwickelt hat. Touristen, die Chambok besuchen, übernachten in homestays, also direkt bei kambodschanischen Familien, können hier die Wasserfälle besuchen (das Herz Chamboks), Fahrradtouren durch die Dörfer, die zu Chambok gehören, machen, und noch einiges mehr.

Ich werde hier eingesetzt, um den Kindern der Community und einigen der lokalen Guides Englisch beizubringen. Bisher unterrichte ich allerdings nur eine Klasse der Kinder, weil hier alles sehr schleppend anläuft und deswegen noch nichts weiteres organisiert ist, beziehungsweise die beiden Guides, die ich unterrichten soll, noch dazu ziemlich vergesslich sind.

Bisher besteht meine Arbeit also nur aus eineinhalb Stunden Englischunterricht am Nachmittag für ungefähr 12 Kinder im Alter von 4 bis 15. Diese Altersdifferenz und der Fakt, dass viele von ihnen noch kein Wort Englisch und zum Teil auch noch nicht ihre eigene Sprache besonders gut kennen, machen diese Aufgabe allerdings dennoch zu einer großen Herausforderung. Mit viel Zeichensprache und meinem gebrochenen Khmer haben wir es bis jetzt jedoch immer irgendwie geschafft uns zu verständigen und der Unterricht läuft erstaunlich gut. 

 

Da dieser Unterricht bisher noch immer das einzige ist, was ich an Arbeit zu tun habe, bietet mir der Rest des Tages immer noch sehr viel freie Zeit. 

Auch abgesehen von dem Bisschen Arbeit, das mich nach 2 Monaten des Nichtstuns im Phnom Penher Office und der ersten Provinz schon sehr glücklich macht, geht es mir in Chambok ausgesprochen gut. Ich wohne hier bei einer kambodschanischen (Groß-)Gastfamilie, die mir schon jetzt sehr ans Herz gewachsen ist, zwischen Ochsen und Hühnern umgeben von Bergen, meterhohen Palmen und Reisfeldern. Morgens werde ich von krähenden Hähnen gegen 6 geweckt und dann mit dem Ruf zum Frühstück nach unten gelockt, wo ich entweder Reis, Reisbrei oder Nudeln bekomme. 

Dann habe ich den ganzen Tag Zeit Hängematten zu testen, zu Wasserfällen zu wandern oder in Flüssen schwimmen zu gehen bis ich am frühen Abend unterrichte und dann gegen 8 auch schon wieder Schlafenszeit ist. 

 

Normalerweise fahre ich freitags immer zurück nach Phnom Penh, um dann das Wochenende zuhause zu verbringen. Letzte Woche wurde ich aber schon direkt eingeladen, das Wochenende in Chambok zu verbringen, da dort am Samstag und Sonntag die Kathin-Zeremonie gefeiert wurde.

Kathin ist eine Zeremonie, bei der den Mönchen gedankt wird und ihnen Spenden übergeben werden. Sie wird immer im Monat nach Vassa, der traditionellen Rückzugszeit der Mönche während der Regenzeit, gefeiert. Während dieser dreimonatigen Rückzugszeit sollen die Mönche immer an einem Ort bleiben, was dann im Oktober mit der Kathin-Zeremonie endet. 

 

Samstagnachmittag ging es also in Form eines großen Umzugs los, der von Tänzerinnen und Tänzern angeführt wurde, welchen die Besucher der Zeremonie mit ihren Mönchsgaben folgten. Diese Art Umzug mit mir in meinen traditionellen Khmer Gewändern, die ich mir von einer Frau aus der Community ausleihen durfte, mittendrin, lief dann drei Mal um die Pagode. Währenddessen wurde auf Pauken gespielt und gebetet. Danach ging es weiter ins Innere der Pagode, wo die Leute ihre Spenden für die Mönche abgeben konnten. So ging es auch direkt am nächsten Morgen weiter - wir gingen wieder in die Pagode, wo unzählig viele Menschen Essen, Roben und Geld für die Mönche brachten. Auch wir trugen einen kleinen Teil zum riesigen Mönchsbuffet bei und spendeten ein paar Tausend Riel, worauf wir einen Segen empfangen durften. 

 

Um dieses ganze Fest noch etwas besonderer zu machen, war auch noch Tess spontan über das Wochenende bei mir in Chambok für einen Kurzurlaub. Auch sie bekam also am Sonntag traditionelle Khmerkleidung geliehen und so waren wir beiden Barangs (so nennt man hier alle Westler, eigentlich heißt es Franzose, aber was soll's) in diesen Outfits das Highlight des Tages und mussten für die ein oder andere fremde Khmer Lady als Fotomodell herhalten.

 

Nach diesem Wochenende verbrachte ich also noch die nächste Woche in Chambok, in der ich gleich noch einmal in die nächste Pagode eingeladen wurde und danach wieder nach Phnom Penh zurück fuhr.

Nach 2 Wochen auf der Provinz freute ich mich zuhause unglaublich über ein weiches Bett, eine warme Dusche, eine wahrhaftige Toilette und darüber mal wieder etwas anderes essen zu können als Reis. Jetzt nach einer Woche in der Stadt, in der wir auf einer Hauseinweihungsparty des Bruders von Marias Kollegen eingeladen waren, und ich somit meine erste große Khmer Party erleben durfte (es war ein wahres Erlebnis!), und an der Riverside Phnom Penhs das Wasserfest, einer der wichtigsten Feiertage in Kambodscha und groß gefeiert hier in der Stadt, Bootsrennen und Feuerwerk miterlebt haben, freue ich mich aber mindestens genau so sehr wieder zurück nach Chambok und aus der Großstadt raus zu dürfen.  

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